Warum der Einkauf dein am schlechtesten bezahlter Job ist
Einführung
Es gibt zwei Wege, mehr Gewinn zu machen. Der eine ist mehr Umsatz. Der kostet dich Werbebudget, Zeit, freie Termine und meistens auch Nerven. Der andere ist besserer Einkauf. Der kostet dich ein Telefonat.
Trotzdem sitzen die meisten Studios beim Umsatz jeden Monat neu am Schreibtisch und beim Einkauf seit Jahren beim selben Lieferanten, zu denselben Konditionen, mit derselben Preisliste. Nicht aus Faulheit. Sondern weil niemand ihnen gesagt hat, dass man da fragen darf.
Mehr Umsatz musst du dir verdienen. Besseren Einkauf musst du dir nur nehmen.
Der Unterschied liegt in der Mathematik. Wenn du 1.000 Euro mehr Umsatz machst, bleibt davon nur der Teil übrig, der nach Ware, Zeit und Kosten noch da ist. Wenn du 1.000 Euro im Einkauf sparst, bleiben 1.000 Euro. Vollständig. Jeden Monat wieder, solange die Kondition gilt.
Und es geht nicht nur um Cremes. Es geht um Verbrauchsmaterial, Handschuhe, Vliese, Ampullen, Nadeln, Kabinenware, Verkaufsware, Verpackung. Alles, was bei dir im Regal steht, ist irgendwann über eine Preisliste gelaufen, die jemand für dich gemacht hat — ohne dich zu fragen.
In diesem Playbook bekommst du:
- ✓Die Staffelpreis-Frage, mit der dir dein Lieferant selbst zeigt, wie weit er runterkann
- ✓Sechs weitere Hebel, die auch dann funktionieren, wenn deine Mengen klein sind
- ✓Fertige Formulierungen zum Kopieren, für WhatsApp, Mail und Telefon
- ✓Zwei Rechner: Was Skonto wirklich wert ist und was besserer Einkauf bringt
- ✓Die drei Fallen, in die Studios beim Rabattverhandeln regelmäßig laufen
So liest du das hier am besten
Der Listenpreis ist ein Vorschlag
Das Fundament
Eine Preisliste sieht aus wie eine Tatsache. Gedruckt, sortiert, mit Artikelnummern. Sie ist aber keine. Sie ist ein Eröffnungsangebot — gemacht für die Kundin, die nicht fragt.
Das gilt in beide Richtungen, und die eine Richtung ist sogar gesetzlich geregelt: Dein Lieferant darf dir nicht vorschreiben, zu welchem Preis du seine Produkte an deine Kundinnen weiterverkaufst. Solche Absprachen zwischen Hersteller und Händler heißen vertikale Preisbindung und sind nach § 1 GWB und Art. 101 AEUV verboten. Erlaubt ist allein die unverbindliche Preisempfehlung, und das Wort, auf das es dabei ankommt, ist „unverbindlich“.
Wichtige Abgrenzung
Der Denkfehler, der dich Geld kostet
Der häufigste Satz, den ich von Studioinhaberinnen höre, lautet: „Ich bestelle doch viel zu wenig, um zu verhandeln.“ Das ist verständlich gedacht und trotzdem falsch. Dein Lieferant verdient nicht an dieser einen Bestellung. Er verdient an dir über Jahre. Ein Studio, das zehn Jahre bei ihm bleibt, ist für seinen Vertrieb ein völlig anderer Wert als ein Warenkorb über 340 Euro.
Genau deshalb funktionieren die Hebel in diesem Playbook auch bei kleinen Mengen. Nicht weil du viel abnimmst, sondern weil du planbar abnimmst — und weil du fragst.
“Ich habe in vier eigenen Studios und Praxen dieselbe Erfahrung gemacht: Der Einkauf war jahrelang der einzige Bereich, in dem wir nie verhandelt haben. Wir haben über Miete verhandelt, über Software, über Werbung. Nur die Preisliste vom Lieferanten haben wir hingenommen wie das Wetter.”

Die Staffelpreis-Frage
Hebel 1 · Dein wichtigster Zug
Das ist der Hebel, mit dem du anfängst. Er kostet dich zwei Minuten und verändert jede weitere Verhandlung mit diesem Lieferanten.
Du fragst nicht nach Rabatt. Nach Rabatt zu fragen ist eine Bitte, und auf Bitten kann man Nein sagen. Du fragst nach seiner Preisstruktur. Das ist eine Sachfrage aus seinem normalen Vertriebsalltag, und die beantwortet er fast immer.
Ich plane gerade meinen Einkauf für die nächsten Monate und will das sauber kalkulieren. Können Sie mir für Artikel [Artikelnummer / Name] bitte den Stückpreis nennen bei: 10 Stück 100 Stück 1.000 Stück 5.000 Stück
Was du dir notierst
Schreib die vier Preise untereinander und rechne für jede Stufe aus, wie viel Prozent sie unter dem Listenpreis liegt. Diese vier Zahlen sind ab jetzt deine Verhandlungsgrundlage — für alles, was du bei diesem Lieferanten je bestellst.
| Menge | Stückpreis | Abstand zur Liste |
|---|---|---|
| 10 Stück | ——— | ——— |
| 100 Stück | ——— | ——— |
| 1.000 Stück | ——— | ——— |
| 5.000 Stück | ——— | ——— |
Was die 5.000er-Zahl dir wirklich verrät
Der Preis bei 5.000 Stück ist nicht seine Kostengrenze. Er ist die Grenze, die er dir gegenüber selbst gezogen hat — der Preis, bei dem er nach eigener Aussage noch verdient. Das ist wertvoller als jede Schätzung, weil er sie freiwillig genannt hat und sich daran erinnern wird.
Ab jetzt verhandelst du nicht mehr im Nebel. Du kennst die Spanne zwischen Liste und Untergrenze, und du weißt, wo in dieser Spanne dein aktueller Preis liegt.
Der Abschluss-Satz
Wenn du die vier Zahlen hast, kommt der eigentliche Zug. Du gibst nicht vor, 5.000 Stück zu kaufen. Du sagst ehrlich, was du kaufst, und verlangst trotzdem eine Bewegung Richtung Staffelpreis.
Danke, das hilft mir weiter. Ich starte mit [deine Menge]. Aber lassen Sie uns über einen Preis reden, der Richtung [Staffelpreis] geht. Wenn das läuft, bestelle ich regelmäßig — und dann reden wir über die nächste Stufe.
Wenn er ausweicht
„Staffelpreise gebe ich nur auf Anfrage mit konkreter Bestellung.“
Deine Antwort: „Genau darum frage ich. Ich kann erst bestellen, wenn ich weiß, ob sich eine größere Menge für mich rechnet.“
„Das kann ich Ihnen so nicht sagen, da muss ich rückfragen.“
Deine Antwort: „Gerne. Schicken Sie es mir bis [Wochentag] per Mail? Dann kann ich planen.“ Damit hast du einen Termin und eine schriftliche Zusage.
„Bei uns gibt es keine Staffeln, wir haben Festpreise.“
Deine Antwort: „Verstanden. Dann lassen Sie uns über das Zahlungsziel und über Ware reden.“ Damit bist du direkt bei Hebel 4 und Hebel 5.
Aufgabe: Heute noch
Jahresmenge statt Einzelbestellung
Hebel 2 · Großmengenpreis ohne Großlager
Der Grund, warum du den 1.000er-Preis nicht bekommst, ist selten der Preis. Es ist die Menge auf einmal — die dir Geld bindet, Regalfläche kostet und ein Haltbarkeitsrisiko schafft.
Die Lösung heißt Abrufauftrag. Du sagst die Jahresmenge zu, lässt sie aber in Teillieferungen kommen. Statt 20 Stück heute bestellst du 240 Stück für das Jahr und rufst monatlich 20 ab. Für den Lieferanten ist das eine Bestellung über 240 Stück, für dich bleibt es ein Karton im Monat.
Ich verbrauche von [Artikel] etwa [Menge] im Jahr. Ich würde die Jahresmenge fest bei Ihnen zusagen, wenn ich sie monatlich abrufen kann und dafür den Preis der entsprechenden Staffel bekomme. Wie halten wir das fest?
Bevor du zusagst
Eine Abnahmeverpflichtung ist bindend. Bevor du unterschreibst, klär drei Punkte schriftlich:
- 1. Was passiert, wenn du die Jahresmenge nicht erreichst? Wird nachbelastet, und wenn ja, wie?
- 2. Was passiert, wenn er den Artikel aus dem Sortiment nimmt oder die Rezeptur ändert?
- 3. Gilt der Preis für das ganze Jahr, oder gibt es eine Preisanpassungsklausel?
Die Menge nicht schätzen
Der Vergleichs-Anker
Hebel 3 · Ein zweites Angebot verändert das Gespräch
Ein Lieferant, der weiß, dass du nirgendwo sonst fragst, hat keinen Grund, sich zu bewegen. Ein Lieferant, der ein konkretes Konkurrenzangebot vor sich hat, schon.
Hol dir vor jedem größeren Gespräch zwei Vergleichsangebote. Gleiche Artikel, gleiche Menge, schriftlich per Mail. Das dauert einmal eine halbe Stunde und wirkt danach in jedem Gespräch mit.
Ich habe mir das am Markt angeschaut. Ein Mitbewerber von Ihnen liegt bei [Preis] für dieselbe Menge. Ich arbeite lieber weiter mit Ihnen. Was können Sie machen?
Nur echte Zahlen
Was du wirklich vergleichst
Der Nettopreis auf der Rechnung ist nur ein Teil. Was du am Ende bezahlst, entscheidet sich über sechs Positionen:
Nettopreis
pro Anwendung, nicht pro Flasche
Frachtkosten
und ab welchem Wert sie entfallen
Mindestbestellwert
wie oft du ihn realistisch erreichst
Zahlungsziel
und ob Skonto vereinbart ist
Rückgaberecht
für Ladenhüter und Fehlbestellungen
Leistungen
Tester, Schulung, Displaymaterial
Preis pro Anwendung, nicht pro Gebinde
Kostenfreie Studioanalyse
Wir schauen uns dein Beauty-Business an und zeigen dir, wo du sofort ansetzen kannst.
Skonto und Zahlungsziel
Hebel 4 · Der am meisten unterschätzte Hebel
Skonto klingt nach Kleinkram. Zwei Prozent. Wer regt sich über zwei Prozent auf.
Rechne es einmal richtig durch und du siehst etwas anderes. Bei der üblichen Kondition „2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto“ bekommst du zwei Prozent dafür, dass du 20 Tage früher zahlst. Aufs Jahr hochgerechnet sind das rund 36 Prozent Zinsen.
Die Formel
Skontosatz ÷ (Zahlungsziel − Skontofrist) × 360
2 % ÷ (30 − 10 Tage) × 360 = 36 % pro Jahr. Genauer gerechnet, weil du ja nur den reduzierten Betrag finanzierst, sind es rund 36,7 %.
Umgekehrt heißt das: Wer das Skonto verfallen lässt, finanziert seinen Wareneinkauf teurer als über fast jeden Kontokorrentkredit. Die kaufmännische Regel lautet deshalb, Skonto immer zu ziehen — notfalls über eine günstigere Finanzierung.
Was ist dein Skonto wirklich wert?
Trag deine Konditionen ein. Der wichtige Wert steht unten: So teuer ist es, erst am Ende des Zahlungsziels zu zahlen.
Was du konkret verlangst
Skonto zu geben kostet deinen Lieferanten wenig. Er hat sein Geld drei Wochen früher und trägt in dieser Zeit kein Ausfallrisiko. Deshalb ist das oft der Punkt, an dem er nachgibt, wenn er beim Preis nicht kann.
Wenn beim Stückpreis nichts geht, lassen Sie uns über die Zahlung reden. Ich zahle zuverlässig und schnell. Machen Sie mir 3 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen — dann buche ich Ihre Rechnungen sofort nach Eingang. Falls Skonto nicht geht: Geben Sie mir 45 Tage Zahlungsziel statt 30.
Deine Grenze nach oben
Im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen sind Zahlungsziele von mehr als 60 Tagen nach § 271a BGB nur wirksam, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurden und den Gläubiger nicht grob benachteiligen. Alles zwischen 30 und 60 Tagen ist üblich und verhandelbar. Wer dir 14 Tage netto ohne Skonto anbietet, hat Spielraum, den er nicht genutzt hat.
Skonto nur ziehen, wenn du es auch verdienst
Ware statt Rabatt
Hebel 5 · Wenn er beim Preis nicht kann
Irgendwann kommt der Satz: „Beim Preis kann ich wirklich nicht mehr.“ Manchmal stimmt er sogar. Dann wechselst du die Währung.
Ein Naturalrabatt ist zusätzliche Ware, die nicht berechnet wird — klassisch zehn plus eins. Für dich wirkt das wie ein Preisnachlass. Für ihn fühlt es sich kleiner an, weil er nur seine Herstellkosten hergibt und sein Listenpreis unangetastet bleibt. Genau deshalb sagt er hier oft Ja, wo er beim Preis Nein sagt.
Was du verlangen kannst
Zehn plus eins
Die klassische Draufgabe. Funktioniert bei allem, was du regelmäßig in Stückzahlen bestellst.
Tester und Probengrößen
Kosten ihn fast nichts und verkaufen dir die Kabinenware von selbst.
Schulung für dich und dein Team
Der teuerste Posten, den du gratis bekommen kannst — und der mit dem größten Effekt auf deinen Umsatz.
Displaymaterial und Testerständer
Aus seinem Marketingbudget, nicht aus deinem.
Musterbehandlung im Studio
Der Außendienst kommt und behandelt deine Kundinnen. Das bringt dir Umsatz am selben Tag.
Rückgaberecht für Ladenhüter
Selten von allein angeboten, oft möglich. Nimmt dir das Risiko beim Sortimentswechsel.
Verstanden, beim Preis geht nichts mehr. Dann machen wir es anders: Geben Sie mir bei der Bestellung 10 plus 1, dazu Tester für die neue Linie und eine Teamschulung im ersten Halbjahr. Damit bin ich einverstanden — dann bestelle ich heute.
Der Jahresbonus
Die zweite Variante ist die Rückvergütung, oft Jahresbonus genannt: eine nachträgliche Vergütung auf deinen Jahresumsatz, meistens gestaffelt und als Gutschrift am Jahresende. Sie steht nicht auf der Rechnung, und genau deshalb mögen Lieferanten sie — ihr Listenpreis bleibt stabil, und du bekommst trotzdem etwas.
Lassen Sie uns eine Jahresvereinbarung machen. Ab [Umsatzstufe 1] im Jahr bekomme ich [x] % Rückvergütung, ab [Umsatzstufe 2] entsprechend mehr — ausgezahlt als Gutschrift im Januar. Können Sie mir das so bestätigen?
Zwei Dinge im Blick behalten
Buchhaltung: Boni und Rückvergütungen mindern deinen Wareneinsatz und müssen erfasst werden. Wenn die Gutschrift ins Folgejahr fällt, sprich vorher kurz mit deiner Steuerberatung.
Gratisware: Zusätzliche Ware, die du nicht verbrauchst, ist kein Rabatt. Es ist Regalfläche, gebundenes Geld und ein Haltbarkeitsdatum, das weiterläuft.
Wie du das Gespräch führst
Hebel 6 · Sechs Regeln
1. Nie im Termindruck
Nicht zwischen zwei Behandlungen. Nicht, wenn die Ware morgen alle ist. Wer dringend braucht, verhandelt nicht, sondern kauft. Setz dir einen festen Termin für Einkaufsgespräche, so wie du dir einen für die Buchhaltung setzt.
2. Der Anker — und warum der bekannteste Ratschlag falsch ist
„Nenne nie zuerst eine Zahl“ ist der Satz, den alle kennen. Die Verhandlungsforschung sagt das Gegenteil: In den Studien von Galinsky und Mussweiler erzielte diejenige Seite das bessere Ergebnis, die das erste Angebot machte. Die erste Zahl setzt einen Anker, an dem sich alles Weitere ausrichtet.
Der Haken: Das gilt nur, wenn du weißt, was realistisch ist. Wer ohne Marktkenntnis zuerst eine Zahl nennt, ankert womöglich zu niedrig — und verschenkt genau das, was er sich holen wollte.
Deshalb die Reihenfolge in diesem Playbook: Erst Hebel 1, die Staffelpreise abfragen. Dann kennst du die Spanne. Und dann nennst du zuerst eine Zahl.
Und übertreib es nicht. Extreme Erstangebote erhöhen messbar das Risiko, dass eine Verhandlung ganz platzt. Ambitioniert, aber begründbar — das ist die Zielmarke.
3. Die Schweige-Regel
Wenn er seine Zahl genannt hat: nichts sagen. Drei bis fünf Sekunden. Nicht als Trick, sondern weil du wirklich nachrechnest. Die meisten Menschen halten Stille im Gespräch schlecht aus und füllen sie — oft mit einem Zugeständnis. Wenn du nicht sprichst, ist dieser Jemand nicht du.
4. Nie über den Preis allein
Wenn ihr euch beim Preis festfahrt, wechsle die Währung: Menge, Laufzeit, Zahlungsziel, Skonto, Ware, Schulung. Ein Gespräch mit sechs Variablen findet fast immer eine Lösung. Ein Gespräch mit einer Variablen endet im Patt.
5. Immer schriftlich bestätigen
Eine mündliche Zusage am Telefon ist in sechs Monaten nichts wert — nicht aus bösem Willen, sondern weil Außendienstler wechseln. Zwei Sätze per Mail genügen.
Vielen Dank für das Gespräch eben. Zur Sicherheit noch einmal schriftlich, was wir vereinbart haben: — Stückpreis [Preis] für [Artikel] ab einer Abnahme von [Menge] — [x] % Skonto bei Zahlung innerhalb von [Tage] Tagen — gültig bis [Datum] Falls ich etwas falsch notiert habe, geben Sie mir bitte kurz Bescheid.
6. Der Ton
Du bist Kundin, nicht Bittstellerin. Du bist aber auch nicht sein Gegner. Das Ziel ist keine Kondition, bei der er sich über den Tisch gezogen fühlt, sondern eine, mit der er dich in fünf Jahren noch gern beliefert. Wer im Einkauf gewinnt und dabei die Beziehung verliert, hat nichts gewonnen.
Der Einwand-Simulator
Dein Lieferant sitzt dir gegenüber. Zwei Entscheidungen, und du siehst, wo du stehst.
Er sagt: „Bei Ihrer Menge kann ich beim Preis leider nichts machen.“ Was antwortest du?
Der Margenrechner
Hebel 7 · Die Zahl, die alles begründet
Alle Hebel vorher waren Gespräch. Dieser hier ist Rechnung — und er ist der Grund, warum sich das Gespräch lohnt.
Nimm dir ein Produkt vor, das du regelmäßig verkaufst oder in der Kabine verbrauchst, und trag die Zahlen ein. Der wichtige Wert ist der letzte: So viel Zusatzumsatz müsstest du machen, um denselben Gewinn ohne besseren Einkauf zu erreichen.
Was bringt dir besserer Einkauf?
Nettobeträge eintragen, also ohne Umsatzsteuer.
Marge und Aufschlag sind nicht dasselbe
Das ist der Rechenfehler, der im Studioalltag am häufigsten passiert. Wenn du auf einen Einkaufspreis von 20 Euro 100 Prozent aufschlägst, verkaufst du für 40 Euro. Deine Handelsspanne beträgt dann aber nicht 100 Prozent, sondern 50 — weil die Spanne den Anteil am Verkaufspreis misst, der Aufschlag dagegen den Anteil am Einkaufspreis.
Wer die beiden verwechselt, kalkuliert seine Behandlungen dauerhaft zu knapp.
Immer pro Anwendung rechnen
Die 3 Fallen
Wo gute Rabatte teuer werden
Jeder Hebel in diesem Playbook kann sich ins Gegenteil verkehren. Diese drei Fälle sehe ich am häufigsten.
Falle 1
Der Rabatt, der im Regal verfällt
20 Prozent Rabatt auf die doppelte Menge sind minus 100 Prozent, wenn die Hälfte abläuft. Kosmetik trägt entweder ein Mindesthaltbarkeitsdatum — das ist Pflicht, wenn das Produkt ungeöffnet weniger als 30 Monate haltbar ist — oder das PAO-Symbol, den offenen Tiegel mit einer Monatszahl, der die Verwendungsdauer nach dem Öffnen angibt.
Regel: Kauf nie mehr, als du bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum sicher verbrauchst. Und rechne mit dem Verbrauch des letzten Jahres, nicht mit dem, den du dir für dieses Jahr wünschst.
Falle 2
Der Depotvertrag, den niemand zu Ende liest
Ein Depotvertrag heißt in der Regel: Du nimmst das komplette Sortiment ab, inklusive Tester und Mindestmengen je Produkt. Das kann sich lohnen — bessere Konditionen, Gebietsschutz, Schulungen. Es bindet aber Kapital und Regalfläche, und es macht dich abhängig von einer Marke.
Vor der Unterschrift klärst du fünf Punkte schriftlich:
- • Mindestabnahme pro Jahr, in Euro und in Stück
- • Laufzeit und Kündigungsfrist
- • Gebietsschutz — wer darf deine Marke im Umkreis noch führen
- • Was mit vorhandener Ware passiert, wenn der Vertrag endet
- • Ob und wie er die Preise während der Laufzeit anpassen darf
Falle 3
Die Nebenkosten, die den Rabatt auffressen
Fünf Prozent Rabatt bringen dir nichts, wenn du dafür dreimal im Monat unter dem Mindestbestellwert bleibst und jedes Mal Fracht zahlst. Bündle Bestellungen so, dass du die Frachtgrenze erreichst — das ist oft der größere Hebel als der Rabatt selbst.
Dein echter Preis
(Nettopreis + Fracht − Skonto − Bonus) ÷ Anzahl Anwendungen
Du willst das nicht allein durchrechnen?
Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deine Zahlen an — Einkauf, Preise, Auslastung.
Vorlagen zum Kopieren
Für WhatsApp, Mail und Telefon
Die kürzeste Version von allem. Kopieren, Platzhalter ersetzen, abschicken.
Hallo [Name], kurze Frage zur Kalkulation: Was kostet [Artikel] bei 10, bei 100, bei 1.000 und bei 5.000 Stück? Danke dir!
Guten Tag, ich führe ein Kosmetikstudio in [Ort] und suche für [Produktgruppe] einen neuen Lieferanten. Bitte senden Sie mir ein Angebot für [Artikel, Menge] und dazu Ihre Konditionen: — Staffelpreise ab 10 / 100 / 1.000 Stück — Mindestbestellwert und ab wann die Fracht entfällt — Zahlungsziel und Skonto — Rückgaberecht — Was Sie an Testern, Schulung und Displaymaterial beistellen Vielen Dank vorab. [Name, Studio, Telefonnummer]
Ich starte mit [deine Menge]. Aber lassen Sie uns über einen Preis reden, der Richtung [Staffelpreis] geht. Wenn das läuft, bestelle ich regelmäßig.
Vielen Dank für das Gespräch eben. Zur Sicherheit noch einmal schriftlich: — Stückpreis [Preis] für [Artikel] ab [Menge] — [x] % Skonto bei Zahlung innerhalb von [Tage] Tagen — [weitere Zusagen] — gültig bis [Datum] Falls ich etwas falsch notiert habe, sagen Sie mir bitte kurz Bescheid.
Hallo [Name], wir arbeiten jetzt seit [Zeitraum] zusammen und ich habe im letzten Jahr [Umsatz/Menge] bei Ihnen bestellt. Ich würde gern einmal im Jahr die Konditionen gemeinsam durchgehen: Preise, Zahlungsziel, Bonus, Beistellungen. Wann passt es Ihnen in den nächsten zwei Wochen?
Einmal im Jahr, fest im Kalender
Die 10 Fragen vor jeder Bestellung
Dein Selbst-Check
Setz einen Haken bei allem, was auf deinen wichtigsten Lieferanten zutrifft. Was offen bleibt, ist ein Hebel, den du noch nicht gezogen hast.
Einkaufs-Check
Beziehe die Fragen auf den Lieferanten, bei dem du am meisten bestellst.
Preis
Zahlung
Ware
Risiko
Aufgabe: Die nächsten sieben Tage
- Tag 1: Staffelfrage an deinen größten Lieferanten (Vorlage 1)
- Tag 2: Zwei Vergleichsangebote anfragen (Vorlage 2)
- Tag 3: Jahresverbrauch aus den Rechnungen des letzten Jahres zusammenrechnen
- Tag 5: Gespräch führen — Preis, Zahlungsziel, Ware
- Tag 6: Vereinbartes schriftlich bestätigen (Vorlage 4)
- Tag 7: Jahresgespräch für alle weiteren Lieferanten in den Kalender eintragen (Vorlage 5)
Quellen und Rechtsstand
Stand: August 2026. Die rechtlichen Hinweise ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung. Für Verträge mit längerer Bindung, insbesondere Depotverträge, lass den Entwurf vor der Unterschrift prüfen.
- • Preisbindungsverbot und unverbindliche Preisempfehlung: § 1 GWB, Art. 101 AEUV; Hinweispapier des Bundeskartellamts zur Preisbindung; IHK-Merkblätter zur UVP
- • Zahlungsziele im Geschäftsverkehr: § 271a BGB
- • Skonto und Lieferantenkredit: kaufmännische Standardformel zur Skontovergleichsrechnung
- • Erstangebot und Ankereffekt: Galinsky & Mussweiler, „First Offers as Anchors“, Journal of Personality and Social Psychology (2001); nachfolgende Arbeiten zum Abbruchrisiko extremer Erstangebote
- • Haltbarkeitskennzeichnung von Kosmetik (MHD und PAO): Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, EU-Kosmetikverordnung 1223/2009
- • Depotverträge und Lieferantenkonditionen im Kosmetikinstitut: Fachbeiträge des Beauty Forum

Über den Autor
Gaffar Taha
Gründer von Beauty Business 24. Hat vier Studios und Praxen mit über 20 Mitarbeitern aufgebaut und über 1.347 Studios und Praxen dabei geholfen, ein erfolgreiches Beauty Business aufzubauen.
Beiratsmitglied beim Beauty Forum für Marketing & Business und Fachautor für das Beauty Forum Magazin.
Der nächste Schritt
Wir schauen uns dein Studio an und sagen dir, wo dein größter Hebel liegt — kostenfrei und ohne Verpflichtung.